Es gibt Fortbildungen, nach denen man mit einem Stapel Handouts nach Hause geht. Und es gibt Tage, nach denen man mit Energie, Mut und dem Gefühl rausgeht: „Okay – wir sind viele. Und wir können das wirklich verändern.“
Genau so war die #TUN25.
Schon beim Ankommen am Heinrich-Heine-Gymnasium in Dortmund liegt etwas in der Luft, das man in Schule viel zu selten erlebt: eine Mischung aus Neugier, Aufbruch und dieser sehr besonderen Barcamp-Atmosphäre, in der niemand fragt, ob du „Expert*in“ bist – sondern nur: „Woran arbeitest du gerade – und was brauchst du?“
Voll, lebendig, schulformübergreifend – und auf Augenhöhe
Die #TUN ist bewusst kein klassisches Fortbildungsformat. Als Barcamp – oder Unkonferenz – lebt sie davon, dass das Programm von den Teilnehmenden selbst gestaltet wird. Sessions entstehen spontan vor Ort und können ganz unterschiedlich aussehen: kurze Impulse, Workshops, Erfahrungsberichte oder einfach die gemeinsame Diskussion einer konkreten Frage.
2025 war die Veranstaltung besonders gut besucht: Mit 355 Teilnehmenden war die TUN ausgebucht. Das machte sich überall bemerkbar – in den gut gefüllten Räumen, auf den Fluren zwischen den Sessions und in vielen spontanen Gesprächen.
Der Barcamp-Moment
Wer noch nie bei einem Barcamp war, unterschätzt oft den Moment, in dem die Sessionvorschläge gesammelt werden. Plötzlich wird sichtbar: Das Programm entsteht nicht „von oben“, sondern aus der Praxis heraus.
Die Regeln sind dabei erstaunlich einfach: Jede und jeder kann eine Session anbieten, die Teilnehmenden entscheiden gemeinsam, was stattfindet, und wer merkt, dass eine andere Session gerade besser passt, kann jederzeit wechseln – das sogenannte „Law of Two Feet“. Genau diese Offenheit sorgt dafür, dass viele Gespräche sehr konkret und praxisnah werden.
Was inhaltlich hängen bleibt: Praxis, die sofort andockt
1) KI – aber nicht als Buzzword, sondern als Werkstatt
KI war spürbar ein Schwerpunkt – allerdings angenehm entmystifiziert: nicht „KI wird alles lösen“, sondern: Was klappt wirklich? Wo sind Grenzen? Wie wird’s praxistauglich? Ein Beispiel aus dem Programm: die Session rund um Klausuren/Leistungsüberprüfungen mit ChatGPT, Gemini & Co. – inklusive der sehr ehrlichen Frage, ob der „ultimative Prompt“ wirklich existiert oder eher ein Social-Media-Märchen ist. Genau diese Mischung aus Neugier und Professionalität macht TUN aus. Und dann die kreativen Anwendungen: Escape Games mit KI gestalten – nicht als Spielerei, sondern als Türöffner für motivierende Lernsettings (und für Schulformen „jeder Art“, wie es in den Sessionvorschlägen sinngemäß angelegt ist).
2) Schulentwicklung, die man anfassen kann
Die #TUN lebt davon, dass nicht nur über Unterricht gesprochen wird, sondern über Schule als System: Organisation, Kultur, Zusammenarbeit, Räume, Kommunikation. Ein starkes Beispiel: Einblicke in Lernsettings wie den WIRKraum (als Adaption des Churer Modells) – mit Fokus auf Lernprozess, Eigenverantwortung, Raum als „dritter Pädagoge“ und dem ganz realen Spannungsfeld aus Chancen und Herausforderungen. Das ist nicht „Theorie“, das ist gelebte Schulentwicklung.
3) Die oft unterschätzten Gamechanger: Orga & Kultur
Was viele überrascht: Wie viele „Hebel“ nicht im Tool, sondern in den Prozessen liegen. Beispielhaft dafür steht eine Session wie: bargeldloses Einsammeln über IServ/Klassengeld – klingt erstmal trocken, ist aber im Alltag ein massiver Entlastungs- und Qualitätshebel (für Sekretariat, Kollegium, Elternkommunikation). Genau solche Themen sind auf der TUN kein Randprogramm, sondern wertvoller Kern: „Wie machen andere das – und was muss ich beachten?“ Und: Feedbackkultur – wie man Rückmeldungen von Schülerinnen und Kolleginnen so organisiert, dass daraus echte Unterrichtsentwicklung wird, nicht nur ein Pflichtritual.
Der eigentliche Zauber passiert zwischen den Sessions
Wenn man ehrlich ist: Die besten Aha-Momente passieren selten in PowerPoint-Folien. Sie passieren…
- wenn jemand im Flur sagt: „Wir hatten exakt dasselbe Problem – so sind wir rausgekommen.“
- wenn aus einer offenen Frage plötzlich ein Mini-Arbeitskreis wird
- wenn man merkt: „Ich muss das nicht alleine lösen.“
Die #TUN ist im besten Sinn Netzwerkveranstaltung – nicht Visitenkarten-Netzwerk, sondern Arbeits-Netzwerk: Menschen, die wirklich Schule machen und miteinander ins Denken kommen.
Warum du 2026 hin solltest (auch wenn du „eigentlich keine Zeit“ hast)
- Du gehst nicht mit „Input“, sondern mit nächsten Schritten
- Das Barcamp-Format zwingt freundlich zur Praxisnähe: Du wählst, was du brauchst. Und wenn du etwas nicht findest, stellst du es selbst als Frage in den Raum – und plötzlich sitzen da Menschen, die mitdenken.
- Du bekommst Orientierung im KI- und Digital-Dschungel
- Nicht als Trend-Schau, sondern als kollegiale Klärung: Was ist Hype, was hilft, was ist rechtlich/organisatorisch sauber, was funktioniert im Klassenraum?
- Du findest Verbündete – schulformübergreifend
- Das ist ein unterschätzter Mehrwert: Primar, Sek I, Sek II, Berufskolleg, Sonderpädagogik, Fortbildung, Schulleitung – alle ansprechbar, alle mit realen Erfahrungen.
Drei Tipps, damit 2026 richtig gut wird
- Komm nicht „fertig“, komm neugierig. Die besten Sessions starten mit: „Ich probiere gerade…“ oder „Ich scheitere gerade an…“.
- Bring ein echtes Thema aus deinem Alltag mit. Das kann Unterricht, KI, Elternkommunikation, iPad-Management, Raumkonzepte, Leistungsbewertung, Schulorganisation sein – alles passt, wenn es echt ist. (Und 2025 hat gezeigt, wie breit das Spektrum ist.)
- Plane Puffer für Gespräche ein. Klingt banal, ist aber entscheidend: Die „Flur-Minuten“ sind oft der Return on Investment.
Die #TUN25 wirkt wie ein „Reset“ für den Kopf: Weg vom Gefühl, mit digitalen, didaktischen und organisatorischen Herausforderungen allein zu sein – hin zu: gemeinsam denken, ausprobieren, besser werden.

